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Literatur

 

 

Rezensionen
"Väteraufbruch für Kinder, Ortsverband München e.V."

 




 

 

INHALT:


 

fathermove-Rezension, nc154ros@aol.com

 


 

 

Cristiane Olivier: Die Söhne des Orest

 

Ein Plädoyer fuer Väter -
Von der Autorin Jokastes Kinder

 

 

198 Seiten, Econ, München, 1994, ISBN 3-430-17302-7,DM 38,00

 


 

 


Viel haben die neuen Männer nicht erreicht. Aber immerhin nimmt die französische Psychoanalytikerin Christiane Olivier nun die Männer vor den Frauen in Schutz. Durch falsches Mutterverständnis gewährt die Frau in der Einheit Mutter-Kind keinen Raum. Sie ruft die Söhne des Orest, unsere Kinder und uns Väter auf sich zu wehren, jene Nachfahren des antiken Helden, der seine Mutter tötete, um den Mord seines Vaters zu rächen.

Im Zeitalter der Lebensabschnittspartner und der sogenannten Alleinerziehenden wachsen immer mehr Kinder nur mit der Mutter auf. Christine Olivier schlägt Alarm: Die Fehler der vaterlosen Gesellschaft von heute werden zum Problem von morgen.

Das Buch beschreibt im ersten und zweiten Kapitel einzigartig klar in einem kulturellem Abriß das wechselnde Vaterbild vor dem Hintergrund der zivilisierten Geschichte, angefangen mit der Antike. Das unumschränkte Patriarchat der Römer und Hellenen, sichtbar z.B. in der Macht des Vaters das Kind durch Benennen anzunehmen, wurde durch die christliche Ehe nicht nur zum Nachteil aller institutionalisiert. Die freie und unauflösliche Ehe loeste das Konkubinat ab, regelte die Erbfolge und wurde Keimzelle des Fortschritt unserer Gesellschaft. Der Humanismus wertet das Kind erstmals als Mensch auf und die Renaissance mit Rousseau´s Emilie die Mutter. Beginnend mit dem 19. Jahrhundert, begann mit der industriellen Revolution ein beschleunigte Abstieg der Väter, um heute nach dem Tod des mythischen Vaters (Religion) in der vollkommenen Machtlosigkeit der Vaeter zu enden.

Die Mutter ist noch immer wie im Rom die certa, aber wer ist der Vater? Wie einige Psychoanalytiker sagen und Feministinnen gerne aufgreifen, der den die Mutter durch Benennen in einer Art von neuerlichem Matriarchat als Vater annimmt? Wozu ist er gut? Was ist überhaupt ein Vater? Das Buch stellt kluge Fragen, die sich jeder Vater heute stellen sollte, und hilft bei deren Beantwortung.

Christiane Olivier: Ein Vater ist der, der ein Kind zeugt und es liebt.

Die Mutter Staat macht es aber dem mütterlichen Egoismus leicht, so schreibt sie, die Vaterliebe als patriarchalisch und veraltet abzuqualifizieren. Christiane Olivier stellt die Bedeutung des biologischen Vaters dar, begründet in seiner Rolle bei Vererbung, während Schwangerschaft, Geburt und der frühen Jahre und zusätzlich zu seiner Rolle in der weiteren Entwicklung in welcher der Vater mit der Mutter das Gleis Kontinuität schafft, das es dem Kind ermöglicht vorwärts zu fahren. Eine Schiene kann die andere nicht ersetzen nur Vater und Mutter zusammen steuern die Entwicklung des Kindes.

Christiane Olivier spricht sich gegen den androgynen Vater aus. Der Vater ist für sie die Nicht-Mutter im frühen Dreieck der Beziehung. Väter schützen das Kind so von der symbiothischen Mutter-Kind Beziehung. Der Vater ist für das Mädchen die Versicherung frei zu sein, weil er jemand ist, der ihren Weg nicht kennt den er nie gegangen ist. Das Mädchen muß nach Andr'e Greene ein anderes Objekt finden das ein anders Geschlecht hat als die Mutter. Der Vater ermöglicht dem Jungen hingegen sich von der infantilen Fixierung auf die übermächtigen Mutter zu lösen.

Warum wird nach Christiane Olivier der "Verhinderte Vater" abgehalten Vater zu sein?

  1. Ihre Frauen, "für die Schwangerschaft der Beweis weiblicher Identität ist, sehen sich meistens als einzigen unverzichtbaren Elternteil an und lassen dem Vater keinen Raum".
  2. "Die Männer wagen es in der Ehe nicht einen Platz einzunehmen den ihre Mutter besetzt hat". "Sie (die Männer der Verf.) sind bereit Vater zu werden wenn diese Rolle von jeder Ähnlichkeit vom Muttersein befreit wird".
  3. "Die Männer wagen es nach der Ehe nicht, diese Rolle zu beanspruchen, weil sie den Protest sämtlicher Frauen, die das Schicksal der Kinder in Händen haben (Mütter, Sozialarbeiterinnen, Anwältinnen Richterinnen ) fürchten müssen".
  4. Das Scheidungskind leidet Höllenqualen, wie auch soll zweifacher Haß bei ihm Platz finden. "Es wäre am liebsten woanders geboren, wieder klein und das bindet es an sein erstes Liebesobjekt, die Mutter". Wenn es noch nicht fünf Jahre zählt, ist für den Vater alles verloren, sagt Christiane Olivier.

Die vaterlose Gesellschaft ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, beklagt bei Freud und vielen anderen danach. Das Oberhaupt der neuen "Familie" ist heute nach Christiane Olivier eine "Vatermutter" die glaubt mit dem Staat ohne Vater auskommen. Die "Enthauptung der Familie" hat das Gleichgewicht bei der Erziehung zerstört. In der ausschließliche Macht, die sich die Mutter anmaßt, sieht Christiane Olivier die Basis einer gewalttätigen menschenfeindlichen Gesellschaft mit in ihrer ödipalen Entwicklung steckengebliebenen Söhnen und Töchtern.

Ich wollte ich hätte dieses Buch früher gelesen.


 


 

fathermove-Rezension

 


 

 

Karin Jäckel: Der gebrauchte Mann.Abgeliebt und abgezockt -
Väter nach der Trennung

 

 

279 Seiten, dtv premium, München, Januar 1997, ISBN 3-423-15103-X,DM 28,00

 


 

 


Viel neues bringt das soeben in Originalausgabe bei dtv erschienene Sozialreport auf den ersten Blick nicht. Er ist im wesentlichen eine kommentierte Fallsammlung der Folgen und Motivation von Trennung und Scheidung aus der Sicht von beiden Ex-Partnern aufzeigt. Karin Jäckel beschreibt verzweiflelte per Gerichtsbeschluß entsorgte und finanziell ruinierte Väter. Die Akteure sind "neue" Männer mit niedergetrampelten Gefühlen, Frauen kälter als der Tod und verstörte Kinder. Alle aktiven geschiedenen Väter haben in Selbsterfahrungsgruppen hunderte dieser Geschichten schon so oder ähnlich gehört. Alle verheirateten Männer haben in ihrem Bekanntenkreis dutzende von Scheidungen erlebt, aber man(n) verdrängte den darauf folgenden sozialen Tod der Geschlechtsgenossen, genauso wie den richtigen Tod.
Erschütternd sind aber für mich als Mann die Aussagen und Handlungen der Frauen in diesem Buch, die gefühlskalt ihren gesetzlichen Vorteil ausspielen und bedenkenlos den Vater ihrer Kinder abzocken und zerstören. Kerstin: "Über die Kinder krieg ich ihn klein" oder Sandra: "Ich hatte einen Mann als Erzeuger meines Kindes ausgesucht, der Geld genug hatte... mehr oder weniger ein Zufallsmann." ... "Thomas tat mir durchaus leid. Vor allem als er sich dann das Leben nahm. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen. Melanie ist mein Kind. … Das mit dem Geld ist natürlich nun ein Problem".
 

Bemerkenswert ist aber an diesem Buch vor allem folgendes, 20 Jahre nach 1977, der Einführung des Zerruettungsprinzip im Scheidungsrecht" ergreift hier eine Frau für die Männer Partei". Dieser Satz findet sich fast identisch in der Buchklappe von "Die Kinder des Orest" der französischen Psychoanalytikerin Christiane Olivier, die wissenschaftlich über Kinder ohne Väter schreibt. Christiane Olivier beschreibt das warum, Karin Jäckel das was.
 

Frauen müssen diese Bücher schreiben, da anscheinend Männer rechtlos und nicht mehr glaubwürdig sind. Wie die rechtlosen Juden im Mittelalter brauchen die Väter den Schutzherrn (Pardon Frau) und können nicht mehr für ihre eigenen Rechte eintreten. Wie die Juden im dritten Reich, fürchten sie abgeholt und entsorgt zu werden und hoffen, daß es sie nicht trifft, wenn sie sich wohlverhalten. Zitat Karin Jäckel: "Wer den modernen Amazonenkrieg aufmerksam mitverfolgt, muß sich fragen, ob das, was in schlimmsten Zeiten die Juden waren beziehungsweise vielerorts die Asylanten, für die Frauen von heute nun die Männer sind".

Dieses Buch erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftliche Analyse, zeigt aber anhand von Fallbeispielen und neuesten soziologischen und psychologischen Untersuchungen die Realität des Geschlechterkampfes, dessen Auswirkungen auf die Kindererziehung und unsere Gesellschaft. Zitat Karin Jäckel: "Mit dieser Diffamierung der Männer hat der berechtigte Schrein nach Gleichberechtigung der Geschlechter spätestens seit Mitte der90er Jahre gesellschaftlich zersetzende menschenverachtende Züge angenommen."(S. 265)

Kein Klischee der veröffentlichten Meinung, oft unbesehen von der Vaeterbewegung übernommen, bleibt heil. Ein Scherbenhaufen aus zerschlagenen Stereotypen und Wunschlügen, die tagtäglich auf uns einprasseln. Das Buch kann jedem (bewegten) Vater empfohlen werden, der noch vom Patriarchat plappert wo doch der Zug schon längst in Richtung Matriarchat abgefahren ist. Zitat Karin Jäckel: "Männer und Frauen sind dabei von einer größenwahnsinnig gewordenen Minderheit in diese Richtung hin manipuliert zu werden. In Verkennung der Tatsache, daß Feministinnen Frauen aber Frauen nicht zwingend Feministinnen sind wird, das feministische Feindbild zum Feindbild aller Frauen erklärt". "Genug ist erst unter dem Motto <>, denn einzig darum geht es: um Macht und Führungsanspruch; und zwar um die Vormachtstellung und den gesellschaftlichen Fuehrungsanspruch der Frau, um eine "Reanimierung eines prähistorischen Matriarchats im Stil der kämpferischen Amazonen die Männer ... ausbeuteten, diese aber ansonsten aus ihrem Leben verbannten und bekriegten". Karin Jäckel rennt mit ihrem Plädoyer für die Väter gegen die Lügen an, die nun veröffentlichte Wahrheit geworden ist. Sie verurteilt das brutale Ausleben egoistischer Wünsche auf Kosten der Schwächeren, auf Kosten der Kinder aber auch der Väter und deren neuen Lebensgefährten. Dieses moderne Matriarchat, so ihr Schluß, habe nichts mehr mit "Befreiung", sondern nur noch mit Größenwahn zu tun. "Und dann saß sie auf ihrem Pisspott" ( der zerstörten Gesellschaft, der gebrochen Männer und traurigen Kinder - der Verfasser) und so sehr er auch stank, sie mußte ihn behalten".

Eigentlich wollte ich einen Verriß schreiben, das Buch ist mir eben oft zu sehr durch Einzelfälle belegte Meinung, zu unstrukturiert, aber der Verriß ist mir nicht gelungen.

Dafür aber dieses Buch.





 

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Stand: 10.06.1997